Rumpshagen Dorfstraße

Dorfstraße in Richtung Ankershagen

"Rumpshagen, in diesem Namen stecken für mich zwei Wörter, die für das Wesen unseres Dorfes stehen. Das ist zum einen die Ruhe, die sich über das Dorf und seine Umgebung legt. Diese Ruhe, wenn sich die Sonne früh morgens langsam über den Horizont schiebt, oder nachts, wenn ein Meer von Sternen am Himmel erscheint. Kein störendes Geräusch drängt sich dazwischen und zerstört den Zauber.

Nur im Sommer, wenn Traktoren und Mähdrescher durch das Dorf rollen, um die Ernte einzubringen, wird es für kurze Zeit etwas lauter in Rumpshagen. Doch diese Betriebsamkeit gehört genauso zu diesem Ort oder besser gesagt zu gesamt Mecklenburg, wie die wunderschöne Landschaft, die Urlauber aus allen Regionen Deutschlands und der Welt anzieht.

Das zweite Wort ist für mich Behagen. Ich fühle mich wohl hier und das schon seit meiner Kindheit. Fast jedes Wochenende und immer wenn wir Ferien hatten, besuchten wir meine Großeltern. So weit ich zurück denken kann, war Rumpshagen für mich immer der Inbegriff von Gemütlichkeit.

Eine Kopfsteinpflasterstraße an der sich alte Bauernkaten ducken, Strommasten aus Holz, die sich in regelmäßigen Abständen durch das Dorf schlängeln und auf denen sich im Spätsommer die Schwalben versammeln, gehören genauso zu meinen Erinnerungen, wie ein Konsum, an dem sich die Leute trafen zum Einkaufen und um den neuesten Tratsch aus dem Dorf zu erfahren.

Eine Poststelle, zu der ich über eine kleine, steile Steintreppe gelangte. Wie oft habe ich dort meinen Lottoschein abgeben und auf den großen Gewinn gehofft, doch immer vergeblich. Jeden zweiten Samstag konnte ich mein Taschengeld etwas zubessern. Dafür musste ich nur den Hühnern täglich die Eier unter dem Hintern stehlen, sie putzen, abstempeln und dann am Samstag an der Eierverkaufstelle abgeben.

Meistens nahmen wir einen Sack Getreide wieder mit zurück und das restliche Geld, was vom Verkauf der Eier übrig blieb, wanderte in mein Sparschwein.

Haustiere aller Art trieben sich auf dem Bauernhof meiner Großeltern herum. Ob Schweine, Hühner, Gänse, Pferde oder Schafe - alles war vertreten. Als besonders schön und aufregend empfand ich immer das Einbringen des Getreides im Sommer, wenn sich eine endlos scheinende Kolonne von Mähdreschern mit rot blinkenden Rundumleuchten durch das Dorf zwängte. Ich stand dann meistens aufgeregt am Zaun und zählte die Mähdrescher. Waren die Mähdrescher mit ihrer Arbeit fertig, ging es ans Strohpressen.

Ein großer Gitterwagen, der bis zum Rand mit Strohballen gefühlt war, wurde vor unseren Stall gefahren und dann fing der Spaß für uns Kinder erst an. Noch bevor die Erwachsenen damit begonnen hatten, dass Stroh mit langen Forken in den Strohspeicher des Stalles einzubringen, öffneten wir die Luken des Speichers und sprangen von oben in den voll befüllten Strohwagen. Und das trotz aller Ermahnungen der Erwachsenen. Einfach zu groß war der Spaß dabei. Immer wenn ich über ein frisch gemähtes Kornfeld gehe und mir der Geruch des Strohes in die Nase steigt, muss ich daran zurückdenken und ein Lächeln umspielt meinen Mund.

Frisch gepfückte Erde zwischen den Händen, ein Hahn der morgens lautstark kräht, Schweine, die laut grunzend ihr Futter einfordern; Nachbarn, die am Zaun stehen, kurz mit einander plauschen und sich im Notfall helfen, all das ist für mich Rumpshagen, ist unsere Gemeinde Ankershagen.

Bestimmt hat sich das so oder ähnlich in vielen Dörfern und Gemeinden unseres Landes abgespielt, doch für mich sind es Erinnerungen, die meine Verbundenheit zu diesem Ort geprägt haben.

Mittlerweile wohne ich mit meiner Familie in Rumpshagen. Zwar sind der Konsum, die Poststelle, die Eierannahmestelle und die Strommasten mittlerweile verschwunden, doch dafür sind andere Dinge hinzugekommen. Die Straße durch das Dorf wurde neu gemacht. Wir haben ein schönes Gemeindehaus bekommen, viele junge Familien sind ins Dorf gezogen und haben so Rumpshagen aus seinem Dornröschenschlaf befreit, in dem es kurz vor der Wende schlief. Es gibt wieder Schafe im alten Schafstall, die schon fast vergessene, Streuobstwiese mit ihren alten Bäumen wird wieder bewirtschaftet und außer Schweinen, Hühnern und Gänsen gibt es nun auch noch Nandus und Alpakas. Alte, dem Untergang schon geweihte Häuser wurden liebevoll restauriert und geben so noch immer einen Eindruck von dem historischen Rumpshagen. Neu gebaute Häuser und Ferienwohnungen runden das Dorfbild ab. Dem Flair von Rumpshagen hat diese „Verjüngungskur“ nicht geschadet. Im Gegenteil, dass „neue“ Rumpshagen blüht auf und Dank dem Einsatz seiner Einwohner wird es auch weiterhin ein Ort sein, an dem die Menschen gerne leben. Denn der Zauber von Rumpshagen liegt in der Mischung aus Altem und Neuem, der wunderschönen Landschaft, die es umgibt und seinen Einwohnern, die immer noch eine Dorfgemeinschaft bilden."

Thomas Will, Rumpshagen 

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