Verschwundene Orte

Warum verschwinden Orte?
 
"Wüstungen", wie verschwundene Siedlungen in der Geschichtswissenschaft genannt werden, gab es wohl zu allen Zeiten in der Geschichte.  Immer wieder haben Menschen ihre Häuser und Höfe aus den verschiedensten Gründen aufgegeben.
 
In Kriegs- und Krisenzeiten, wie im 30-jährigen Krieg des 17. Jahrhunderts, zogen jahrelang marodierende Truppen durch die Dörfer, töteten Mensch und Vieh und verbrauchten die mühsam angelegten Vorräte. Insbesondere in den Jahren 1637/39 wurde Mecklenburg immer wieder Kriegsschauplatz zwischen den hin und her wogenden Fronten, während gleichzeitig Seuchen unter der verhungernden Bevölkerung wüteten. Am Ende des 30-jährigen Krieges war über 80 % der Bevölkerung unseres Landes durch Hunger, Gewalt und Krankheiten ausgelöscht. Viele Bauernstellen und ganze Dörfer wurden in dieser Zeit aufgegeben. Gab es im Amt Mirow 1606 noch 194 Bauernstellen, so waren im Jahr 1666 davon nur noch 59 Bauernstellen besetzt (30,5%). Im Amt Stargard, das besonders stark vom Krieg betroffen war, gab es 1624 noch 423 Bauernstellen, im Jahr 1708 waren es nur noch 104! [Quelle: ENDLER/FOLKERS]
Die Wiederbesetzung der Bauernstellen war schwierig, denn es fehlten die Menschen, und die übrig gebliebenen Bauern verfügten nur über geringe Kapitalkraft und konnten die Investitionen für das Inventar (Vieh und Geräte) nicht selbst aufbringen. Viele Bauern gerieten in Abhängigkeiten und teilweise auch in Leibeigenschaft. Weite Teile des Ackers waren verbuscht und mussten erst in den nächsten Jahrzehnten mühevoll für den Ackerbau zurückgewonnen werden. Große Ackerflächen blieben auch jahrzentelang brach liegen und wurden erst gegen Ende des 17. Jh. in Schäfereien und Pachthöfe verwandelt. Der größte Teil der Guts- und Pachthöfe entstand so infolge der Vernichtung der Bauern durch den 30-jährigen Krieg.
 
Auch zu DDR-Zeiten wurden kleine Dörfer aufgegeben. Hier waren es oft wirtschaftliche Zwänge: die Unterhaltung der Infrastruktur lohnte sich nicht überall.
 Beide Bilder
Und heute? Es gibt Orte, aus denen immer mehr Menschen abwandern. Natürlich wollen Menschen dort leben, wo sie Arbeit und Einkommen haben, wo es Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schulen und schnelles Internet gibt. Lohnt es sich noch, in die aussterbenden Gemeinden zu investieren? Damit umzugehen ist eine Herausforderung unserer Zeit.