Straßen und Wege

Die Trampelpfade, die Land- und Waldwege, die land- und forstwirtschaftlichen Wege, die Landes- und Bundesstraßen, die breiten Autobahnen - sie alle kommen in unserer Landschaft vor.

Die kleinsten und unstabilsten, die Trampelpfade, fungieren als Abkürzungen oder sie führen auf kurzem Weg zu einem Objekt.   Die größten und stärksten, die Autobahnen verbinden Hauptstädte und Länder. Sie sind im dicht besiedelten Raum inzwischen dreispurig ausgebaut und zukünftig kann mit noch mehr Spuren gerechnet werden. Der Autobahnverkehr, der ein schnelles Vorankommen für Wirtschafts- und Privatfahrzeuge ermöglicht, bringt aber auch noch andere Geschenke: Klima- und Lärmbelastungen, Flächenverbrauch und Landschaftszerschneidung. Arbeitnehmer können schnell zu weit entfernten Arbeitsorten in wirtschaftliche Starkräume fahren, unabhängig vom Wohnort. Die sinnvolle Errichtung von Arbeiter-Wohnsiedlungen im 19. und im 20. Jahrhundert, die direkt am Arbeitsort lagen, ist inzwischen überholt. Und billig ist der Autobahnbau nicht: mit allen Nebenkosten an gefangen von planerischen bis hin zu begleitenden Maßnahmen kostet ein Autobahn-Kilometer in Deutschland 26,8 Mio €.(wikipedia)

 

Alleen - Grüne Bänder in der Landschaft

In der mecklenburgischen Landschaft begegnen uns aber auch wunderbare Alleen entlang von Land- und Bundesstraßen, die gesetzlich geschützt sind. Es sind überwiegend Linden, Eichen oder Kastanienbäume, die Landschaftsplaner pflanzen ließen, als die wichtigsten Straßenverbindungen in Mecklenburg-Vorpommern vor über einhundert Jahren befestigt wurden. Auch entlang von Landwegen stehen Alleen, Baumreihen oder dichte Hecken, die sich wie grüne Bänder durch die Landschaft schlängeln. Sie zeichnen sich durch wertvolle Eigenschaften aus, da sie die Ästhetik des Landschaftsbildes erhöhen. Schon beim Vergleich des optischen Eindruckes einer Reise durch die Leipziger Tieflandsbucht mit endlosen landwirtschaftlichen Nutzflächen ohne grüne Überraschungen und einer Wanderung in der mecklenburgischen Seenplatte mit seinen grünen Vielfalt zeigt, wie Landschaft veröden kann oder bewahrt wird.

Schützenswerte Landwege

Eine Besonderheit in Mecklenburg-Vorpommern ist die große Zahl und Vielfalt historischer Landwege. Sie werden oft schon seit Jahrhunderten genutzt. Wenn sie nicht asphaltiert oder zur Landes- bzw. Bundesstraße ausgebaut wurden, blieben sie als historisches Kulturelement mit Wegrainen, Bäumen, Sträuchern und den typischen Hohlwegabschnitten in der Landschaft erhalten. Die Postwagen sind längst von den Wegen verschwunden. Nur noch selten begegnen uns Wagen oder Kutschen, die von Pferden gezogen, Touristen durch die Landschaft fahren.

k-Landweg Hof Karbow1 klein

Für viele Pflanzen und Tiere sind Landwege unverzichtbare Lebens- und Rückzugsräume in der ausgeräumten Agrarlandschaft. Sie finden Schutz in den Hecken und Wegsäumen, während die umliegenden Äcker intensiv bewirtschaftet und mit Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden und Düngemitteln behandelt werden.

Ein typischer Landweg hat zwei Fahrspuren mit meist einem grünen Mittelstreifen. Er wird von grünen Randstreifen (Wegsäumen), oft mit Hecken und Bäumen, begleitet. Durch die unterschiedlichen Boden-, Wasser- und Windverhältnisse sowie wechselnde Sonneneinstrahlung entsteht ein vielfältiges Lebensraummosaik auf relativ kleiner Fläche. Auf dem sandig-lehmigen Weg sonnen sich Reptilien, Schmetterlinge saugen auf dem feuchten Boden Mineralien, Bienen und Vögel trinken an Pfützen, Schwalben gewinnen Lehm als Baumaterial für ihre Nester. An offenen Abschnitten breiten sich arten- und blütenreiche Krautsäume aus, die vielen Insektenarten als Nektarquelle und Larvalbiotop dienen. In den dichten Strauchhecken finden tagsüber Wildtiere Zuflucht und Ruhestätte, viele Vögel der Feldflur haben hier Brutstätte und Lebensraum. Markante Bäume, oft hunderte Jahre alt, dienen als Ansitzwarte. Das Mosaik von verschiedenen Habitatstrukturen und spezifischen Mikroklimata bietet jedoch nicht nur Schutz, Nahrung und Aufenthalt für Groß- und Kleintiere, Insekten, Blütenpflanzen, Moose und Flechten, sondern Landwege sind mit ihren begleitenden Hecken, Alleen und Krautsäumen linienförmige Verbindungselemente in der Feldflur. Migrierende Arten, z.B. Wanderfalter wie der Admiral oder der Distelfalter, nutzen auf ihren ausgedehnten Wanderungen diese wegbegleitenden Landschaftselemente als „Trittsteine“ zur Orientierung und Nahrungssuche.

 

Kulturhistorische Bedeutung der Landwege

Unser heutiges Wegenetz entstand im Mittelalter. Die Benutzung stets derselben, optimalen Verbindungen durch Fußgänger, Reiter und Wagen schuf allmählich ein weitverzweigtes Wegenetz. Diese Wege waren mangels Befestigung („Wegebau“) an Relief und Landschaft angepasst. Sie spiegeln den Untergrund der jeweiligen Region wider und haben damit ihr eigenes Gesicht. Viele Wege dienten ursprünglich als Post- und Handelswege zwischen Städten und Dörfern. Feldwege führten zu den Äckern, Wiesen und Viehkoppeln. Über die Kirchsteige gelangten die Dorfbewohner zu den Kirchen und Friedhöfen. An wichtigen Kreuzungen entstanden „Krüge“ (Gasthäuser) für die Versorgung und Übernachtung der Reisenden.

Im 19. Jahrhundert wurden die wichtigsten Ortsverbindungen als Chausseen angelegt. Diese befestigten Straßen wurden künstlich geplant und verlaufen deshalb oft abseits der alten Wege als direkte Verbindung zwischen zwei Orten. In der Folge verlagerte sich der Verkehr weitgehend auf diese bequem zu befahrenden sogenannten Kunststraßen. Die unbefestigten alten Wege verloren an Bedeutung, teilweise verschwanden sie sogar ebenso wie die an ihnen gelegenen Krüge.

Inzwischen bewegen sich die meisten Menschen nur noch auf Straßen und Schienen. Die verbliebenen Landwege werden heute hauptsächlich von land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen und von Erholung Suchenden genutzt. Als Relikte der Kulturlandschaft zeugen sie von früheren Ortsbeziehungen und Handelswegen.