Dörfer im Wandel

Als die Menschen begannen, sesshaft zu werden, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, entstanden kleine, dorfähnliche Siedlungen mit einräumigen Wohnhäusern. Sie wurden aus Material errichtet, das unmittelbar in der Umgebung zu finden war. Die Hauswände bestanden aus Flechtwerk, das mit Moos oder Lehm abgedichtet wurde.

Die dörfliche Siedlung diente als Wohn- und Wirtschaftsort. Diese Situation blieb über Jahrtausende erhalten, auch wenn sich die Baustile veränderten und die technischen Voraussetzungen für die landwirtschaftliche Produktion sich ständig weiter entwickelten.

In alten Siedlungsanlagen, Bauern- und Gutsdörfern finden wir eine Einheit von Funktion und Struktur vor.
Einigen Beispiele sollen das verdeutlichen:
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Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden

 
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Schmettausche Karte
Dörfliche Srukturen (Lüssow, Strenz und Karow bei Güstrow)
Im Umfeld der dörflichen Siedlung lagen die Koppeln und Felder, die durch Natursteinmauern oder Hecken begrenzt wurden. Im Idealfall folgten dann die Waldgebiete. Diese agrarische geprägte Kulturlandschaft blieb in einzelnen Fällen bis in unsere Gegenwart erhalten.
 

Das Bauerndorf

Das typische Bauernhaus von Mecklenburg, das sich über Jahrhunderte hielt, ist heute nur noch selten im Dorfbild zu finden. Die Bauweise stammt von den Siedlern, die aus den nord- und westelbischen Gebieten Niederdeutschlands vom 11. bis zum 12. Jahrhundert in die von Slawen bewohnten Gegenden von Mecklenburg einwanderten. In dem als niederdeutsches Hallenhaus bezeichneten Gebäude lebten Menschen und Tiere unter einem Dach.

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Der große, hohe Scheunenraum diente als Wirtschaftsraum zum Einfahren der Pferdewagen, die Stroh- und Erntegut und Futter in das Haus brachten und es unter dem hohen Dach einlagerten. Aber auch das Dreschen der Getreidegarben fand dort statt. In der Diele wurden Feste wie Hochzeiten, Fastnacht oder Erntedank gemeinschaftlich gefeiert. Die seitlichen Stallräume (Kübbungen) waren ungefähr zweieinhalb Meter breit und maximal zwei Meter hoch. Hier lebten die Knechte und Mägde. Die Wohnräume der Bauernfamilie schließen an die Scheune an. Sie sind so niedrig, dass die Decken mit ausgestreckter Hand berührt werden können. Als Baustoffe dienen Holz, Lehm und Backstein - ökologischer kann ein Haus nicht gebaut werden.

Im Zuge der deutschen Besiedelung entstanden typische Bauerndorfformen, die noch heute in den Ortskernen zu erkennen sind. Entsprechend der Anlage der Bauernstellen wird in Rundling, Angerdorf, Straßendorf und Rundangerdorf unterschieden. Die Bauernstellen liegen bei dem Straßen- und bei dem Angerdorf längs parallel, dagegen gruppieren sich die Gehöfte beim Rundling und beim Rundangerdorf ringförmig um eine Mitte. Alle Bauernstellen verfügen über größere Gartenflächen, die sich hinter den Gebäuden erstrecken und dem Obst- und Gemüseanbau dienen. Die Kirchen stehen meist auf dem Anger oder im Ortskern am höchsten Punkt des Ortes. Neben der Kirche liegen der Pfarrhof und die Dorfgaststätte, die nach dem Kirchgang von den Bauern aufgesucht wird, um beim Frühschoppen Skat zu spielen und dabei wichtige Gespräche zu führen. Die Inneneinrichtung der Bauernhäuser ist einfach und zweckbestimmt. Jeder Gebrauchsgegenstand hat seine Funktion.

 

Das Gutsdorf, typisch für MV

 

Eine andere deutsche Siedlungsform entstand, als Lokatoren mit der Gründung deutscher Siedlungen beauftragt waren. Sie wohnten in festen Höfen mit Mauer und einstöckigem Turm, meist von einem Wassergraben umgeben. Die Stellen ehemaliger befestigter Wohnsitze blieben gelegentlich in Nähe der Guts- und Herrenhäuser erhalten. Die ehemaligen tief gegründeten Wohntürme wurden zu Eiskellern umgebaut, die keinen Strom oder andere technische Aufwendungen benötigten.

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Die Ansprüche der Gutsherren an Wohnqualitäten nahmen zu. Die anfänglichen einfachen, meist nur einstöckigen Wohnhäuser wurden in anspruchsvolle Guts- und Herrenhäuser   umgebaut. Vor dem Wohnhaus lag der Gutshof mit Ställen und Scheunen. Hinter dem Wohnhaus befand sich die Parkanlage, die durchaus die Größe eines Landschaftsparks einnehmen konnte. Die einstöckigen Wohnhäuser der Gutsarbeiter standen an der Dorfstraße, außerhalb des Gutshofes. Ihre Architekturformen orientierten sich in einfacher Weis an dem Stil des Gutshauses. Die Gutsdörfer zeichneten sich daher durch ein harmonisches Ensemble aus.


 

 

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Schmettausche Karte   Gutsanlage in Wokrent
 
 

Die Siedlerdörfer

 

Während der Weltwirtschaftskrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen viele Gutswirtschaften ein. Um die landwirtschaftliche Produktion wieder zu stärken, übernahmen Siedlungsgesellschaftlichen die Aufteilung des Gutes in kleinere Einheiten. Landwirte aus versch. Ländern Deutschlands bzw. auch Einwohner übernahmen die kleineren Landwirtschaften. Für die Bauernfamilien wurden Siedlerhäuser bestehend aus d Wohn-, Stall- und Scheunenteil gebaut oder geeignete Gutsgebäude zu Wohnungen umgebaut.

 

Mit der Einführung sozialistischer Produktionsweisen nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Landwirtschaft zu großen Produktionseinheiten, die sich in reine Tier- und Pflanzenproduktionsbetrieb spezialisierte. Als Betriebsformen existierten landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften und Volkseigene Güter. Die Dorfansichten verändern sich. Es entstehen große Tiermast- und Siloanlagen. In den Dörfern werden mehrstöckige Wohnhäuser, Einfamilienhäuser, Verkaufsstellen, Kulturbaracken oder -häuser errichtet. Vorzeigedörfer wie z.B. Mestlin, Lüssow… entstehen. Die vorhandene Bausubstanz der Gutsanlagen wird genutzt oder auch verändert.